Wie erlebt ein Erstklässler eigentlich sein eigenes Lernen?
„Lesen kann ich schon richtig gut!“
„Beim Rechnen brauche ich manchmal noch Hilfe.“
„Ich hätte gern schwierigere Aufgaben!“
Gerade vor einem Elternsprechtag finde ich diese Sicht der Kinder besonders spannend. Deshalb nutze ich in meiner 1. Klasse einen Kinderfragebogen zur Selbsteinschätzung.
Auch Erstklässler können ihr Lernen einschätzen
Da viele Kinder zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher lesen können, arbeitet der Fragebogen überwiegend mit Bildern, Symbolen und Smileys.
Für verschiedene Bereiche in Deutsch und Mathematik überlegen die Kinder zunächst:
😊 Das kann ich gut.
😐 Hier bin ich mittelmäßig.
☹️ Das kann ich noch nicht so gut.
Anschließend können sie zusätzlich angeben, was sie sich wünschen:
Ich brauche Lehrerhilfe.
Ich möchte mehr Übungen.
Ich möchte schwierigere Aufgaben.
So entsteht schnell ein erstaunlich differenziertes Bild davon, wie das Kind sein eigenes Lernen wahrnimmt.
Eine schöne Vorbereitung auf den Elternsprechtag
Besonders gern setze ich den Fragebogen vor dem Elternsprechtag ein. Ich schaue mir die Einschätzung des Kindes vorher an und kann sie mit meinen eigenen Beobachtungen vergleichen.
Wo stimmen unsere Einschätzungen überein? Wo gibt es Unterschiede? Und was wünscht sich das Kind selbst für sein weiteres Lernen?
Dadurch entstehen im Elterngespräch ganz konkrete Gesprächsanlässe – und es wird nicht nur über das Kind gesprochen. Auch seine eigene Sicht bekommt einen Platz.
Fördern und Fordern aus Kindersicht
Für mich ist besonders interessant, dass der Bogen nicht nur Schwierigkeiten sichtbar macht. Auch Kinder, die sich mehr zutrauen, können zeigen: Hier möchte ich schwierigere Aufgaben.
Damit lässt sich der Fragebogen sowohl für Fördermaßnahmen als auch für zusätzliche Herausforderungen nutzen.
Die einzelnen Bereiche können außerdem passend zum Lernstand der Klasse ausgewählt werden. So lässt sich das Material bereits während des 1. Schuljahres einsetzen.
Kinder von Anfang an am eigenen Lernen beteiligen
Selbsteinschätzung muss in Klasse 1 noch nicht perfekt funktionieren. Sie darf gelernt und gemeinsam besprochen werden.
Genau darin liegt für mich der Wert dieses kleinen Fragebogens: Die Kinder beginnen schon früh, über ihre Stärken, Schwierigkeiten und Lernbedürfnisse nachzudenken.
Und manchmal erfährt man dabei Dinge, die man ohne die Frage „Wie siehst du das eigentlich selbst?“ vielleicht gar nicht erfahren hätte.



