Klassensprecherwahl in der Grundschule: Mitbestimmung von Anfang an
Wer spricht für unsere Klasse? Was macht eigentlich ein Klassensprecher oder eine Klassensprecherin? Und wie entscheiden wir gemeinsam, wer diese Aufgabe übernehmen soll?
Eine Klassensprecherwahl ab Klasse 1 bietet eine schöne Möglichkeit, Kinder ganz praktisch an Mitbestimmung und demokratische Entscheidungen heranzuführen. Dabei geht es um viel mehr als darum, zwei Namen auf einen Stimmzettel zu schreiben: Die Kinder erleben, dass ihre Stimme zählt, dass unterschiedliche Meinungen erlaubt sind und dass eine Gemeinschaft Vertreterinnen und Vertreter wählen kann. Klassensprecherwahlen gelten entsprechend als Möglichkeit, demokratische Teilhabe im Schulalltag erfahrbar zu machen.
Aber verstehen Erstklässler schon eine Klassensprecherwahl?
Ja – wenn wir die Inhalte entsprechend aufbereiten.
Gerade zu Beginn der Schulzeit sind lange Erklärungen und abstrakte Begriffe noch schwierig. Bilder, kurze Sätze und konkrete Situationen aus dem Schulalltag helfen dagegen, die Aufgaben eines Klassensprechers verständlich zu machen.
Deshalb habe ich mein Material zur Klassensprecherwahl ab Klasse 1 bewusst bildgestützt gestaltet. Es kann aber ebenso in den weiteren Grundschuljahrgängen eingesetzt werden.
Was kann ein Klassensprecher oder eine Klassensprecherin?
Bevor gewählt wird, sollten die Kinder verstehen, worum es bei diesem Amt überhaupt geht. Denn die Wahl sollte möglichst keine reine Beliebtheitswahl werden.
Die Bildkarten greifen deshalb ganz einfache Aussagen auf:
Ich höre anderen zu.
Ich spreche für die Klasse.
Ich helfe, Lösungen zu finden.
Ich bin freundlich und fair.
Ich traue mich, etwas zu sagen.
Ich denke an alle Kinder.
Die Kinder können die Bilder betrachten, Situationen dazu erzählen und überlegen: Was davon kann ich schon gut? Was ist für einen Klassensprecher besonders wichtig?
Typische Aufgaben sind tatsächlich das Vertreten von Wünschen und Anliegen der Klasse, das Gespräch mit Lehrkräften und – je nach Organisation der Schule – die Teilnahme am Schüler- oder Klassensprecherrat. Wichtig ist zugleich, die Aufgaben altersgerecht einzugrenzen: Ein Klassensprecher muss beispielsweise nicht allein die Probleme anderer Kinder lösen.
„Das kann ich!“ – eigene Stärken entdecken
Besonders wichtig war mir, nicht nur zu fragen: „Wer möchte Klassensprecher werden?“
Die Kinder sollen zunächst über ihre eigenen Fähigkeiten nachdenken:
Kann ich gut zuhören? Kann ich vor anderen sprechen? Bin ich fair? Kann ich anderen helfen? Traue ich mich, etwas zu sagen, wenn etwas nicht in Ordnung ist?
So wird die Vorbereitung auf die Wahl gleichzeitig zu einer kleinen Einheit über Selbstwahrnehmung, soziales Lernen und Klassengemeinschaft.
Und vielleicht entdeckt dabei auch ein eher ruhiges Kind: Das kann ich eigentlich ziemlich gut!
Der Wahlablauf – Schritt für Schritt und mit Bildern
Auch der eigentliche Ablauf der Klassensprecherwahl wird bildlich dargestellt. Die einzelnen Karten können nacheinander an der Tafel angebracht werden. So entsteht Schritt für Schritt ein übersichtlicher Wahlablauf.
Die Kinder überlegen, wer kandidieren möchte, hören den Kandidatinnen und Kandidaten zu, geben ihre Stimme ab, werfen den Stimmzettel in die Wahlurne und zählen anschließend gemeinsam aus.
Gerade für Kinder, die noch nicht oder erst wenig lesen können, schaffen die Bilder Orientierung und machen den Ablauf nachvollziehbar.
Die Wahlurne einfach selbst basteln
Eine richtige Wahlurne macht die Wahl natürlich noch spannender.
Dafür reicht bereits ein Schuhkarton oder ein anderer kleiner Karton. Einen Schlitz in den Deckel schneiden, das passende Schild anbringen – fertig ist die Wahlurne.
So fühlt sich die Abstimmung gleich ein bisschen „echt“ an.
Nach der Wahl: Das sind unsere Klassensprecher
Nach der Auszählung dürfen die gewählten Kinder natürlich gewürdigt werden. Dafür gehören zum Material auch passende Urkunden für Klassensprecher und Klassensprecherin.
Ein Schild für den Klassenraum hält anschließend fest, wer die Klasse vertritt. Dabei werden nur die Namen eingetragen und keine Kinderfotos benötigt – praktisch für einen dauerhaften Klassenaushang.
Für Klasse 1 – und darüber hinaus
Obwohl die Gestaltung bewusst so einfach und bildgestützt ist, dass das Material bereits ab Klasse 1 eingesetzt werden kann, ist es nicht auf Erstklässler beschränkt.
Auch in Klasse 2, 3 oder 4 können die Bildkarten als Gesprächsimpulse, zur Wiederholung der Aufgaben oder zur Vorbereitung einer neuen Wahl genutzt werden. Je älter die Kinder sind, desto stärker lassen sich die einzelnen Aussagen diskutieren und mit eigenen Beispielen ergänzen.
So kann die Klassensprecherwahl zu einem kleinen, aber sehr konkreten Baustein der Demokratiebildung werden:
zuhören – mitdenken – mitreden – gemeinsam entscheiden.
Hier zum Material bei Eduki Lehrerflow: KLASSENSPRECHERWAHL



